Montag, 15. September 2014
Katzenlady oder Karrierefrau?
Da saß ich nun hier in meinem WG-Zimmer im Stadtzentrum auf dem Doppelbett und zerquetschte halb meine Katze. Ich stellte alles in Frage: mein Studium, meine sozialen Fähigkeiten, die Glaubwürdigkeit anderer und vor allem mich. Jeder geht mit Trennungen anders um, hatte ich mir die letzten Tage immer wieder sagen lassen. Doch für mich gab es da wohl doch eher klare Muster. Tragischer Weise konnte ich die meisten zwar an mir bemerken, sie aber nicht abstellen. Das Gefühl allein zu sein, war wohl standardmäßig mit im Paket - vor allem nach vielen Jahren Beziehung. Doch gehörten derart viele Selbstzweifel (nicht nur an den eigenen Fähigkeiten in Sachen Liebesleben, sondern auch an den wichtigen Entscheidungen unseres Lebens) noch zur Norm? Für mich offensichtlich schon, wie ich feststellen musste. Doch wie gehe ich nun damit um?

Erst einmal abwarten und Tee trinken – bloß keine überstürzten Entscheidungen – riet mir meine Mutter, die der Verlust des potentiellen Schwiegersohns so schwer traf, dass sie zum Trösten zu aufgelöst war. Was hatte ich auch von einer Frau erwartet, die bei meinen Anrufen zu emotionalen Problemen einfach aufgelegt hatte, weil ihr die Situation zu viel war? Auf eine Unterstützung von Seiten meiner Familie konnte ich schon einmal nicht hoffen.

Doch dafür hat man ja beste Freunde, oder etwa nicht? „Vielleicht“ wäre wohl die angebrachte Antwort in meinem Fall. In meinem großen Arsenal an engen Freunden befinden sich zur Zeit mein etwas verrückter Nachbar und meine beste Freundin, die diesen Titel wohl einfach noch aus Gewohnheit trägt. Denn nichts ist aufbauender als der Moment, in dem dir deine engste Vertraute sagt, dass sie keine Zeit hat die zwei Stunden Fahrt auf sich zu nehmen und sich für ein Treffen in 5 Monaten ankündigt? 5 Monate... da musste ich erstmal Schlucken. Auch wenn mir für zwei Wochen ein täglicher Anruf von ihr versprochen wurde, fühlte ich mich noch mehr allein gelassen als zuvor. Praktischer Weise waren meine Mitbewohner gerade in Amsterdam und konnten aus unbekannten Gründen keine hilfreichen Tipps nach Deutschland geben. Da blieb mir nur eins: den Nachbarn holen, denn alleine in Selbstmitleid ertrinken war mir dann doch zu dramatisch. Dieser war glücklicher Weise gleich zur Stelle, auch wenn er im Aufmuntern wohl noch etwas Übung braucht, wie wir feststellen mussten.

Nachdem ich nun die ersten 48 Stunden ohne Schlaf irgendwie überlebt hatte, wichen Wut und Enttäuschung immer weiter in den Hintergrund. Denn es blieben bohrende Fragen: Kann es Zufall sein, dass ich in keinem Bereich meines Lebens zuverlässige Menschen habe, die mir loyal zur Seite stehen? Ich weiß es nicht. Wie wahrscheinlich ist es, dass ich immer an Freunde geriet, die äußerst viele Freiräume brauchen und die zu recht wenig Aufopferung für die Freundschaft bereit waren? Der gemeinsame Faktor war schließlich ich. Wie viel Einfluss hat meine recht kühle und isolierte Erziehung auf meine Fähigkeit menschliche Bindungen zu knüpfen? In meinem Kopf bahnte sich ein Desaster an. Wer wird nach einer Trennung schon so verzweifelt, dass man seine Fähigkeiten zur menschlichen Interaktion in Frage stellt? Nach ausführlicher Diskussion mit meiner Katze, musste ich einsehen, dass ich mehr soziale Kontakte brauche. Doch wie stellt man sowas an? Mein derzeitiges Tief hatte eine klare Antwort für mich: Du? Niemals!

Doch welche Zukunft hätte mein Leben, wenn ich an den aktuellen Baustellen in meinem Umfeld: Familie, Freunde und Liebe, einfach aufgeben würde? Vor meinem inneren Auge zeichneten sich zwei Bilder ab: die Katzenlady Eleanor Abernathy von den Simpsons oder Karriere machen. Karriere machen... das klingt erstmal gut, aber in meinem Feld gehört dazu wohl mehr Glück als Verstand. Und Glück hatte ich in letzter Zeit bekanntlich wenig.

Es blieb mir also nichts anderes übrig als meine Baustellen alle wieder zu öffnen und meinen erdrückenden Pessimismus in den Griff zu kriegen. Ein Projekt so groß, dass ich mir nicht sicher bin es in einer menschlichen Lebensspanne zu bewältigen. Aber ich wollte ja mehr hoffen. In diesem Blog werde ich euch also nun daran Teil haben lassen, wie ich versuche die unterschiedlichsten Bereiche meines Lebens wieder hinzubiegen.

Wünscht mir Glück!